Interview


Im „Züchterforum“ haben Sie Einblick in ihr Gestüts- und Familienleben gegeben. Was können Sie an dieser Stelle überhaupt noch mehr verraten?


Ja, es gäbe wieder etwas Neues und damit noch mehr zu erzählen.


Ja ? 


Insbesondere, was wir mit dem Gestüt und den Hengsten in Zukunft vorhaben. 


Verraten Sie uns doch bitte ein wenig mehr! 


Im Springsport arbeiten wir mit „externen“ Springställen zusammen. Wir sind schon stolz darauf, wie gut das mit Hansi Dreher & Embassy II, Jochen Bender & Cor de Pomme, Quintos und Frank Lugge & D’Inzeo einfach passt. Dieses Netzwerk mit den richtigen Leuten – das ist ein Säule unseres Gestüts. In Sachen Dressur bleibt alles im Hause – meine Frau Katja hat ein feines Händchen für die Ausbildung von Dressurpferden bis zur S-Klasse. Dafür stehen ihre steten Erfolge bei Europameisterschaften, Jungpferde-WM und Landes- und Bundeschampionaten. Die Hengste, die bei ihr „in die Schule gehen“, werden was – darauf kann man sich verlassen. 


Was hat sich denn verändert? 


Vor vier Jahren haben wir beide uns überlegt, wie das Familienunternehmen Galmbacher sich für die Zukunft gemeinsam aufstellen soll – was wir machen wollen und was nicht. Unsere Philosophie mit Fokus auf den Sport ist erfolgreich – weil wir sie nicht kurzfristig, sondern planvoll verfolgen – mit Auge und einer Idee fürs Pferd: Embassy II ist das Paradebeispiel, bei dem alles zusammen kommt: Das Auge, einen Hengst zu erkennen, die richtige Ausbildung, der richtige Reiter – und dazu noch die nötige Geduld und das richtige Quäntchen Glück. Als ich den Hengst 4-jährig kaufte, hatte ich ihn von Kindesbeinen an bereits verfolgt – ich glaubte einfach an diesen Hengst. Ich sah sein Potenzial als Sportpferd. Und damit auch seine Qualität als Zucht-Hengst in Folge. Natürlich konnte ich nicht wissen, dass er mal in der Weltcup-Serie und bei der Global Champions Tour gewinnt. Das wär‘ ja was, wenn ich das gewusst hätte! 


Auch als Zuchthengst ist Embassy II inzwischen schwer gefragt. 


In 2013 hat Embassy II dank seines internationalen Erfolges die Stuten bekommen, von denen ein Hengsthalter träumt. Der diesjährige Fohlen-Jahrgang ist somit eigentlich sein erster richtiger – und der Hengst ist jetzt 13 Jahre alt.  Auch wenn er bereits vor Jahren schon einen gekörten Sohn hatte - die Fohlen, die ich dieses Jahr gesehen habe, sind unvergleichlich qualitätsvoll. Das macht den Züchtern richtig Spaß und uns auch. Mit Hengsten muss man eben Geduld haben. 


Und wie vererbt er sich? 


Ein Stutfohlen aus der Coronado-Tochter Larissa, der Mutter von Ludger Beerbaums‘ Chiara, war das erste in diesem Jahr – Tobias Ibing  ist der Züchter. Das Fohlen ist Spitze. Auch ich hätte es gern, um unsere eigene Stutenbasis zu verbessern. Doch das Fohlen ist unverkäuflich. Schau’n mer mal. 


Andere haben nicht so viel Geduld und setzen auf aktuelle Körsieger.


Aus Sicht der Züchter ist das nachvollziehbar, „angesagte“ Körsieger zu nehmen. Der Züchter setzt also rein auf „Aktualität“. Aber wir können das nicht bieten – wir kaufen selten frische Körsieger. Ganz bewusst.


Wie bitte? 


Was für uns bei einem Hengst zählt, sind Charakter und Leistungsbereitschaft – die er an seine Nachkommen weitergibt. Diese entscheidenden Qualitäten kann man in dem kleinen Zeitfenster bei der Körung vielleicht erahnen, aber nicht abprüfen. Diese Qualitäten offenbaren sich später. 

 
Dann befürworten Sie auch das neue System mit den Leistungsprüfungen?


Zukünftig wird der Fokus noch stärker auf Leistung liegen oder besser: auf „Leistungs-Zuverlässigkeit“. Das zeigt sich beim 30-Tage-Test, später fundiert im Sport. Wenn die letzten Jahre eines gezeigt haben, dann das: Spitzenpferde werden selten als solche schon geboren. Es ist der Weg über eine fundierte Ausbildung im Sport, der bei Hengsten die Spreu vom Weizen trennt. Und diese Qualität der sportlichen Einstellung vererben sie an ihre Nachkommen. Was das „Auge“ angeht: Als Hengsthalter verfolgen Sie einige interessante Kandidaten schon systematisch vom Fohlenalter an - wie bei Embassy II. Das macht den Beruf und die Passion des Hengsthalters aus. Einen Einblick haben wir da auch durch unsere Körvorbereitung von Junghengsten– die sich zu einer unserer Visitenkarten entwickelt hat. Darauf baut dann sowohl unsere Deckstation als auch unser Ausbildungsbetrieb auf. 


Jeder Hengsthalter hätte gerne einen wie  Embassy II. Ein Tipp, wie man einen findet? 


Embassy II steht beispielhaft für unsere Philosophie: Wenn ein Hengst 7-jährig ist, muss er S-erfolgreich sein. So war das auch bei unserem zweiten Stammhalter Rigamento OLD, der zuvor bei Landes- und Bundes- championaten erfolgreich war und heute S*** geht.


Also im 7. Jahr zeigt sich erst, was ein Hengst kann?


Dann muss der Hengst auf S-Niveau sein – wenn nicht, hat er nicht genug Qualität. Manch Züchter will und kann nicht so lange warten, bis sich diese Qualität beweist – was ich nachvollziehen kann. Er setzt auf Aktualität und schnelle Vermarktung. Doch in entscheidenden Dingen wie dem Züchten muss man einen Plan verfolgen. Man muss Pferden Zeit geben, sich zu entwickeln.  Dann selektiert man und züchtet man qualitätvoll. Die Aussage „Züchten heißt in Generationen zu denken“ kommt nicht von ungefähr. In den vergangenen Jahren haben wir etliche Hengste nach dem „7-Jahre-Prinzip“ ausgebildet, die nicht so der breiten Öffentlichkeit bekannt sind wie Embassy II. Darunter welche, die wir dank unseres internationales Netzwerks  verkaufen konnten - wie Cabarlord, Quite Magic, Calvin Klein, Imothep, Chin Quidam, Don Larnels und Forani. Letzterer läuft übrigens auch im Weltcup. 


Und wie wird ein Hengst ein Galmbacher Hengst? 


Unsere Hengste selektieren sich durch die Nachfrage bei Züchtern und den Erfolg im Sport. Schließlich wollen Züchter den eigenen Stamm verbessern oder bei der Vermarktung vorne mit dabei sein. Dabei spielt auch das Image der Station und des Hengstes eine große Rolle. Wir bieten unseren Züchtern eine von uns vorgenommene Auswahl an Hengsten, die wir annehmen – weil wir an sie glauben. Die, die wir nehmen, werden gut.  Das zeigt unsere Erfahrung. Darauf können sich unsere Kunden verlassen, Einsteller wie auch Züchter.


Auf wen setzen Sie in Zukunft? 


Im Springen ist neben Embassy II dann Cor de Pomme einer unserer Stammhengste, ein Enkel des legendären Cor de la Bryere und Siegerpferd des aktuellen rheinischen Meisters Jochen Bender. D’Inzeo ist nun 7-jährig. Dank seines internationalen Leistungsblutes und schicker Fohlen ist er einer unser gefragtesten Hengste – und im Turniersport holt er mit Frank Lugge stets Schleifen. In der Dressur ist es Rigamento OLD – der ohnehin zur Familie gehört. Und Diamonit, den Eva-Maria Aufrecht zu uns auf Station stellt und der mit meiner Frau Katja siegreich bis Intermedière I ist. Stammhalter unserer Ponyzucht – mit der alles vor fast 20 Jahren begann – ist der Ponyhengst Okay Big Bambu, der Siegerhengste auf den süddeutschen Körungen stellte und dessen Nachkommen erfolgreich im Bundeschampionat gehen. 


Und mit welchen Junghengsten?


Die Zukunft gehört natürlich auch den Junghengsten, deren Ausbildung in unseren Händen liegt: Mit Fürstenstern (v. Fürstenball), Zweibrücker Prämienhengst 2013, und Smartphone (v. So What A Feeling OLD), der jüngst bei seinem 30-Tage-Test seine Qualität bewies, können wir Züchtern auch interessante Vertreter dieser wichtigen Blutlinien bieten. Unser Rigamento-Sohn Right Said Fred soll nun 5-jährig in die Hufspuren seines renommierten Vaters treten – wir geben ihm die Zeit dafür. Persönlich eine meiner großen Hoffnungen ist der 5-jährige Quintos, der das Blut des Quidam de Revel führt.


So freuen wir uns auf die kommende Saison mit gestandenen Stamm-Vererbern und hoffnungsvollen Youngstern!


Auf die gemeinsame Zusammenarbeit mit Ihnen in 2014.


Ihre Familie Dr. Katja & Tobias Galmbacher